UNESCO-WELTBILDUNGSBERICHT 2017/2018

264 Millionen Kinder und Jugendliche zwischen sechs und siebzehn Jahren haben weltweit keinen Zugang zu Bildung. Selbst bei den Kindern, die eine Schule besuchen, sind die Abschlussraten weiterhin gering: 

Zwischen 2010 und 2015 lagen sie im Grundschulbereich (6-11 Jahre) bei lediglich 83 Prozent, im unteren Sekundarschulbereich (12-14 Jahre) bei 69 Prozent und in der oberen Sekundarschulbildung (15-17 Jahre) bei nur 45 Prozent. Das zeigt der UNESCO-Weltbildungsbericht 2017/2018 mit dem Titel „Verantwortung für Bildung“. Der Bericht zeigt außerdem, welche Akteure für ein gutes Bildungssystem Verantwortung tragen. Die Autoren des Berichts rufen Regierungen weltweit dazu auf, das Recht auf hochwertige Bildung einzulösen.

 

Von Chancengerechtigkeit weit entfernt

Die Grundlagen für eine erfolgreiche Bildungsbiographie werden bereits in der frühen Kindheit gelegt. Doch bisher haben nur 17 Prozent der Länder weltweit ein Jahr verpflichtende und kostenfreie frühkindliche Bildung eingeführt. Erhebungen in Entwicklungs- und Schwellenländern zeigen, dass zwischen 2010 und 2015 die Chancen, eine frühkindliche Bildungseinrichtung zu besuchen, von drei- bis vierjährigen Kindern der Reichsten fünfmal so hoch waren wie die der Ärmsten. In nur 66 Prozent der Länder weltweit wurde Geschlechtergerechtigkeit in der Grundschulbildung erreicht. Noch geringer sind die Erfolge in der Sekundarschulbildung: Geschlechtergerechtigkeit wurde im Bereich der unteren Sekundarschulbildung in lediglich 45 Prozent der Länder und in der oberen Sekundarschulbildung in 25 Prozent der Länder weltweit durchgesetzt.

39 Milliarden US-Dollar fehlen in der Bildung weltweit

Jährlich fehlen weltweit 39 Milliarden US-Dollar für eine hochwertige und chancengerechte Bildung weltweit. Im Durchschnitt gaben Länder 4,7 Prozent ihres Bruttoinlandproduktes oder 14,1 Prozent der öffentlichen Mittel für die Bildung aus. Der Bildungsanteil der weltweiten Gelder für die Entwicklungszusammenarbeit fiel über sechs Jahre in Folge von 10 Prozent im Jahr 2009 auf 6,9 Prozent im Jahr 2015. Die Autoren des Weltbildungsberichts betonen, dass ein angemessener Rechtsrahmen und gute politische Strategien nur mit ausreichenden Mitteln umgesetzt werden können.

Empfehlungen

Die Autoren des Weltbildungsberichts rufen Regierungen auf

  • ihre Pflicht zur Bereitstellung eines hochwertigen Bildungssystems nachzukommen und dafür Schulen und Lehrkräften Rechenschaftspflichten aufzuerlegen, die konstruktiv sind, die Qualität der Bildung unterstützen und keine zusätzliche Last in der täglichen Arbeit darstellen.
  • Regularien zu entwickeln, die gewährleisten, dass Bildungssysteme nicht diskriminieren und hochwertige Bildung sicherstellen.
  • Das Recht auf Bildung justiziabel zu machen, was in 45 Prozent der Länder weltweit aktuell nicht der Fall ist.
  • Schwächen und Stärken des Bildungssystems transparent zu kommunizieren und mit den beteiligten Akteuren in einem offenen Prozess zu diskutieren und zu evaluieren.

Hintergrund

Der UNESCO-Weltbildungsbericht evaluiert die Fortschritte weltweit bei der Umsetzung der Bildungsagenda 2030, die als integraler Bestandteil der sogenannten Sustainable Development Goals (SDGs) im September 2015 von den Vereinten Nationen verabschiedet wurde. Regierungen weltweit haben sich verpflichtet, die Globalen Nachhaltigkeitsziele (SDGs) bis zum Jahr 2030 zu erreichen. Das Bildungsziel der Agenda lautet: „Bis 2030 für alle Menschen inklusive, chancengerechte und hochwertige Bildung sicherstellen sowie Möglichkeiten zum lebenslangen Lernen fördern“. 

Den vollständigen UNESCO-Weltbildungsbericht finden Sie hier: (https://en.unesco.org/gem-report/)